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Launch of the Foundation, October 12, 2001

Wozu eine Syngenta Stiftung? Erste Projekte - Heinz Imhof

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Rede des Präsidenten des Stiftungsrats der Syngenta Stiftung für nachhaltige Landwirtschaft, Herr Heinz Imhof, anlässlich der öffentlichen Gründungsveranstaltung am Freitag, 12. Oktober 2001, im Naturhistorischen Museum Basel


Meine sehr geehrten Damen und Herren

Es ist mir eine Ehre und ein groes Vergnügen, Ihnen heute unsere Syngenta Stiftung für nachhaltige Landwirtschaft vorzustellen.

Unsere Stiftung

  • unterstützt Forschungsprojekte zur nachhaltigen Ernährungssicherheit in den ärmsten Regionen der Welt,
  • fördert mit eigenen wissenschaftlichen Arbeiten die öffentliche Diskussion über Ernährungsprobleme
  • und leistet in enger Vernetzung mit weltweit tätigen Organisationen und Forschungseinrichtungen konzeptionelle Beiträge zur nachhaltigen Landwirtschaft in Entwicklungs- und Industrieländern.

Mit diesem Engagement will sie einen Beitrag zur Verbesserung der Ernährungssicherheit leisten.

Meine Damen und Herren, die Themen Ernährungssicherheit und nachhaltige Landwirtschaft sind aktuell und betreffen uns alle. In den letzten fünfzig Jahren hat sich die Zahl der Menschen auf unserem Planeten verdreifacht. In 25 Jahren wird die Weltbevölkerung auf acht Milliarden angewachsen sein. Experten nehmen an, dass die Nachfrage nach mehr und höherwertigen Lebensmitteln weltweit zu einer Verdoppelung des Kalorienverbrauchs führen wird. Die Erweiterung der landwirtschaftlich genutzten Flächen für die Deckung dieses steigenden Lebensmittelbedarfes, zum Beispiel durch Rodung von Wäldern, hätte unabsehbare ökologische Folgen. Die einzige Lösung kann deshalb nur eine ertragsreichere Landwirtschaft auf den bestehenden Flächen sein. Innovationen im Bereich der Schädlingsbekämpfung, bei der Düngung und beim Saatgut werden künftig für die nachhaltige Verbesserung der Ernährungssicherheit sorgen können.

Heute hat jeder achte Mensch Hunger oder ist ungenügend ernährt. Am schlimmsten ist die Lage in Südostasien und in Afrika südlich der Sahara. über 150 Millionen Kinder unter fünf Jahren leiden in diesen Regionen an Untergewicht, das ihre Gesundheit gefährdet. Jeden Tag sterben 24 000 Menschen an den Folgen ungenügender Ernährung. Das sind in zehn Tagen mehr Personen, als die Region Basel Einwohner hat.

Es ist ein schwacher Trost zu wissen, dass alles noch viel schlimmer sein könnte. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zeigt jedoch in seinem jüngsten Jahresbericht, dass im Kampf gegen Hunger und Mangelernährung auch Erfolge erzielt wurden. Die Menschen sind heute im Durchschnitt gesünder; sie leben länger, und mehr von ihnen können lesen und schreiben. Die Zahl der unterernährten Menschen hat sich in den letzten zehn Jahren in den Entwicklungsländern um 40 Millionen verringert. Diese Fortschritte sind zu einem bedeutenden Teil modernen landwirtschaftlichen Anbaumethoden zu verdanken.

Meine Damen und Herren, ein Unternehmen wie Syngenta, das weltweit tätig ist und nachhaltig erfolgreich sein will, macht sich stets auch Gedanken über den gesellschaftlichen Nutzen seiner Güter und Dienstleistungen. Darüber hinaus will es als verantwortungsvoller Arbeitgeber, als verlässlicher Steuerzahler, als dem Gemeinwohl verpflichteter good corporate citizen wahrgenommen werden. Das Streben nach kommerziellem Erfolg schlie t humanitäres und karitatives Engagement nicht aus. Im Gegenteil: Wer sich über seine kommerziellen Aktivitäten hinaus für das Gemeinwohl einsetzt, tut nicht nur Gutes, sondern investiert auch in den guten Ruf und die soziale Akzeptanz seines Unternehmens - beides wichtige Voraussetzungen für unternehmerischen Erfolg.

Die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Voraussetzungen für die Verbesserung der Ernährungssicherheit sind also bekannt. Und im Grunde herrscht auch Einigkeit über die Aufteilung der Verantwortung zwischen staatlichen Stellen und Akteuren der Zivilgesellschaft, etwa der Privatwirtschaft oder wissenschaftlichen Institutionen. Es fehlt also nicht an Kenntnissen über die Bedingungen, welche die Entwicklung fördern und das Elend hemmen, sondern am Willen, das als richtig Erkannte zielbewusst umzusetzen.

Unsere Syngenta Stiftung für nachhaltige Landwirtschaft soll dort tätig werden, wo sie direkt etwas gegen Armut und Elend unternehmen kann - zum Beispiel, indem sie Forschungsprojekte unterstützt, die armen, vor allem für ihre Selbstversorgung produzierenden Bauern der Dritten Welt zugute kommen. In Zukunft wird es immer weniger fruchtbare Böden und sauberes Wasser geben. Damit nimmt die Schwierigkeit zu, die Menschen überall mit Nahrungsmitteln in ausreichender Menge und angemessener Qualität aus lokaler Produktion zu versorgen. Syngenta will nicht nur im Rahmen ihrer normalen Geschäftstätigkeit zur Lösung dieser Probleme beitragen, sondern dafür auch ihre Stiftung für nachhaltige Landwirtschaft einsetzen.

Der Begriff nachhaltige Landwirtschaft" ist für unsere Stiftung nicht ein modisch-dekoratives Aperu, sondern programmatischer Ausdruck ihrer Absichten. Nachhaltig ist Landwirtschaft, wenn sie ihre Ressourcen - in erster Linie Boden, Wasser, Saatgut und Arbeitskraft - sparsam und intelligent einsetzt. Das ist nur dort möglich, wo die Menschen ihre Probleme selbst benennen und eigenständig lokal angepasste Lösungen entwickeln und umsetzen können.

Mit allen, die diese überzeugung teilen, ist die Stiftung zur Zusammenarbeit bereit. Denn nur durch die Kombination unterschiedlicher Kenntnisse und Fertigkeiten, lässt sich die Ernährungssicherheit armer Menschen dauerhaft verbessern. Unsere erfolgreiche Kooperation mit lokalen NGO und mit führenden internationalen Institutionen, darunter die Weltbank, die FAO und die unter dem Dach der CGIAR zusammen geschlossenen Forschungsinstitute für Weizen und Mais, CIMMYT, für Reis, IRRI, und für ökonomische und politische Grundlagenforschung zur Ernährungssicherheit der Dritten Welt, IFPRI, bestätigen diesen Grundsatz.

Wie viele von Ihnen wissen, führt die Syngenta Stiftung die landwirtschaftlichen Projekte weiter, welche die Novartis Stiftung für nachhaltige Entwicklung seit Jahren mit grossem Erfolg betrieben hat. Ich denke, es ist hier der richtige Moment, Professor Klaus Leisinger herzlich für seinen Einsatz bei der Gründung der Syngenta Stiftung zu danken. Sein Engagement für die Armen in der Dritten Welt, seine Fähigkeit, Menschen unterschiedlicher Herkunft zu gemeinsamer Arbeit zu motivieren und zum Ziel zu führen und sein Mut, immer wieder unbequeme Wahrheiten in die Diskussion einzubringen, verdienen hohe Anerkennung und Respekt. Wir sind froh, dass Herr Leisinger bereit ist, die Syngenta Stiftung für nachhaltige Landwirtschaft in den nächsten Monaten weiter aufzubauen und zu leiten, bis wir einen neuen Direktor berufen können. Die Stiftung wird zunächst drei fest angestellte Mitarbeitende haben und verfügt in diesem Jahr über ein Budget von etwa vier Millionen Schweizer Franken. Dem Stiftungsrat gehören die Herren Professor Christian Bonte-Friedheim, Pierre Landolt, Professor Klaus Leisinger und ich als Präsident an.

Zur Zeit fördert die Syngenta Stiftung drei Projekte auf dem afrikanischen Kontinent südlich der Sahara. Allen dreien ist gemeinsam, dass sie basisorientiert zur nachhaltigen Ernährungssicherheit von Kleinbauern beitragen.

In Eritrea unterstützen wir zusammen mit schweizerischen und internationalen Entwicklungsorganisationen ein Programm, das der nachhaltigen Nutzung der Boden- und Wasserressourcen dient. Im Mittelpunkt stehen lokale Projekte und Institutionen, wie zum Beispiel Ministerien und Universitäten im Bereich Geographie und Landwirtschaft, die durch Weiterbildungen und Verbesserung ihrer Infrastruktur gestärkt werden sollen. Erste Forschungsergebnisse konnten im Rahmen einer Konferenz der FAO präsentiert werden, sodass sie nun auch anderen Interessierten zur Verfügung stehen.

In Mali fördern wir zusammen mit der Regierung die Forschungsstation in Cinzana. Sie züchtet lokale Hirse- und Sorghumsorten, entwickelt den unterschiedlichen agro-ökologischen Zonen des Sahel angepasste Anbautechniken und schult die Kleinbauern in deren Anwendung. Dieses Projekt ist seit Jahren sehr erfolgreich und genie t international einen ausgezeichneten Ruf.

In Kenya helfen wir dem Internationalen Mais- und Weizenforschungsinstitut CIMMYT und der nationalen landwirtschaftlichen Forschungsanstalt KARI bei der Entwicklung von neuen, gegen Stängelbohrer resistenten Maissorten. Neben traditionellen werden dabei auch biotechnologische Methoden eingesetzt. Die Stiftung hilft mit diesem Projekt afrikanischen Wissenschaftlern und Praktikern, im eigenen Land Erfahrungen mit modernsten Züchtungsmethoden zu sammeln, und sie unterstützt gleichzeitig den Aufbau der nötigen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Eine beispielhaft offene Kommunikation nach innen und aussen, sowie die Einhaltung strengster internationaler Sicherheitsnormen unterstreichen den Vorbild-Charakter des Projekts.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich hoffe, die Beispiele zeigen Ihnen, wie sich unsere Stiftung für die Kleinbauern der Dritten Welt engagieren will. Ich bin sicher, dass dieses Engagement, ihre wissenschaftlichen Analysen und ihre praktischen Erfahrungen allen zugute kommen, die sich für nachhaltige Landwirtschaft einsetzen: den Landwirten in der Dritten Welt, den entwicklungspolitisch Engagierten, unseren Mitarbeitenden, die in diesem Bereich einen eigenen und zusätzlichen Beitrag beisteuern möchten. Wir alle, meine Damen und Herren, die sich für den Erfolg unserer Stiftung einsetzen, freuen uns auf Anregungen und Kritik und auf die wohlwollende Begleitung unserer Arbeit.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Herrn Professor Leisinger und seinem Team den Erfolg, den die notleidenden Menschen in den Entwicklungsländern und die nachhaltige Landwirtschaft in aller Welt so dringend brauchen.

Wir werden nun eine musikalische Darbietung der Gruppe Daouda Coulibaly aus Burkina Faso hören, und dann wird mein Kollege, Doktor David Evans, Leiter Forschung und Technologie Syngenta, Ihnen einen Einblick in die Forschungsaktivitäten unseres Unternehmens und damit auch der Zukunft der Landwirtschaft geben.



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